Die norwegische Regierung unterstützt und fördert den Bau von Holzbrücken

Die norwegische Regierung unterstützt und fördert den Bau von Holzbrücken

Die norwegische Politik hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Holzbrücken beim Brückenbau deutlich zu erhöhen. Der Anteil von Holzbrücken liegt in Norwegen momentan bei 10 %, in Finnland dagegen schätzungsweise bei ca. 4 %. Die Unterstützung der Anwendung von Holz beim Brückenbau ist Teil des Förderprogramms für Holzbau der norwegischen Regierung.

„Bei uns in Norwegen herrscht ein starker Wille, die Anwendung von Holz auch beim Brückenbau zu fördern“, berichtet Otto Kleppe von der Staatlichen Norwegischen Straßenverwaltung. „Am Anfang haben die Politiker Druck ausgeübt und jetzt, nachdem der Markt geschaffen ist, stellt die Regierung Fördergelder für den Brückenbau sowie für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Holzbrückenbau bereit. Unser Ziel ist es, auch für den Exportmarkt Holzbrücken zu produzieren.“

Die Entwicklungsarbeit erfolgt in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Norwegischen Straßenverwaltung, der Brückenbaufirma Moelven und dem Norwegische Holzforschungsinstitut (Norsk Treteknisk Institutt NTI). Der Hauptteil der in Norwegen gebauten Holzbrücken sind Brücken für leichten Verkehr und für Verkehrsknotenpunkte. Dagegen werden etwa nur fünf große Straßenbrücken pro Jahr gebaut. Berühmte große Holzbrücken sind die Leonardo-da-Vinci-Brücke, die Tynset-Brücke sowie die Kjøllsæter-Brücke.

„Wir sind mit den Ergebnissen beim Brückenbau zufrieden, da die Holzbrücken eine tatsächliche Alternative für den Brückenbau für Schwertransport anbieten. Die bisher längste Holzbrücke ist 70 m lang, aber technisch könnte sie durchaus doppelt so lang sein. Der Bedarf an Brücken ist in Norwegen enorm. Beim Bau jeder Autobahn stellen die Brücken einen großen Ausgabenposten dar“, sagt Herr Kleppe.

Die weltweit längste Holzbrücke entsteht in Norwegen

Im norwegischen Mjøsa wird gerade die weltweit längste Holzbrücke mit 1.400 m Länge geplant, und die Realisierung dieses Plans hat eine Volksbewegung ins Leben gerufen. Durch die Holzbauweise will man das Image des Landes als führendes Land beim Holzbau verstärken. Im öffentlichen Bauen erlebte Holz bei den Olympischen Spielen in Lillehammer in Norwegen seinen Durchbruch, als dort mehrere Anlagen mit Holzkonstruktionen gebaut wurden. Dies hatte bedeutende wirtschaftliche, ästhetische und umweltverbundene Auswirkungen.

Laut Kleppe wird nicht vorab bestimmt, an welchen Stellen Holzbrücken gebaut werden sollen, sondern die Entscheidungen werden anhand der lokalen Gegebenheiten getroffen. „Wir brauchen unterschiedliche Arten von Brücken für verschiedene Anwendungsgebiete und Verwendungszwecke. Das Wichtigste ist es, dass wir den Willen haben, Holzbrücken zu entwickeln und deren Nutzung zu fördern. Da Norwegen ein Land des Holzes ist und Holz ein erneuerbares und ökologisches Material ist, ist es besonders wichtig, dass der öffentliche Sektor signalisiert, dass wir bereit sind, die Anwendung von Holz beim Brückenbau zu steigern“, berichtet er weiter.  

Die Wettbewerbsfähigkeit von Holzbrücken ist gegeben

Der Brückenbau ist laut Herrn Kleppe deshalb technisch so herausfordernd, weil auf den Verbindungsstellen große Kräfte einwirken. „Für den Brückenbau wird eine große Halle benötigt, in der die industrielle Vorfertigung und eine effiziente Produktion möglich ist. Die Brücke muss zunächst einmal in der Halle gebaut werden, bevor sie in fertigem Zustand zum Einbauort geliefert und dort nochmal montiert wird“, so Herr Kleppe.

In Norwegen hat man eine Standardbrückenlösung entwickelt, die besonders für kleine Brücken geeignet ist. Bei großen Brücken ist immer eine individuelle Lösung nötig. „Beim Brückenbau gibt es noch zu wenig Wettbewerb, obwohl viele Brückenkonstruktionen vor allem nach Südnorwegen von Mitteleuropa importiert werden. Finnische und schwedische Unternehmen sind auf dem norwegischen Markt für Brückenbau willkommen“, betont Herr Kleppe.

Vergleicht man die Standardlösungen, ist Holz laut Herrn Kleppe mit Stahl- und Betonbrücken ausreichend wettbewerbsfähig: „Obwohl die Kosten für Architektur den Preis erhöhen, hat eine Holzbrücke einen so hohen ästhetischen Mehrwert, dass sie schon als einfache Lösung Aufmerksamkeit auf sich zieht. Holz hat sich gut bei Ausschreibungen durchsetzen können, da es bei vielen Bauprojekten aufgrund der niedrigeren Gesamtkosten den Vorzug erhalten hat.“

Neue Lösungen sollen die Imprägnierung mit Kreosot ersetzen

„Holz ist ein erneuerbares Material und für die Anwendung von Holz gibt es deshalb viele ökologische Gründe“, betont Otto Kleppe und berichtet weiter:  „Da wir vom chemisch imprägnierten Holz nicht begeistert sind, versuchen wir neue, Nachhaltigkeit fördernde Lösungen zu finden. Was wir brauchen, sind mehr Informationen über die Eigenschaften, Möglichkeiten und Wettbewerbsfähigkeit von Holz bei der Anwendung im Brückenbau.“

Herr Kleppe bedauert, dass auf den Forstwegen Betonbrücken gebaut worden sind: „Dies ist ein Indiz dafür, dass die Möglichkeiten des Holzbrückenbaus nicht bekannt sind. Wir Norweger fahren nach Mitteleuropa und bewundern die lange Geschichte des Holzbrückenbaus, aber wir haben solche selbst nicht gebaut, obwohl wir in Norwegen dazu die Rohstoffe sowie das Knowhow für die Weiterverarbeitung haben. Aufgrund der Beschäftigung und Volkswirtschaft wäre es sinnvoll, das eigene Material zu priorisieren und die Verarbeitung von Rundholz beispielsweise zum Brettschichtholz zu fördern.“

In Norwegen ist der Bau der Infrastruktur anspruchsvoll. Die Gesamtlänge der Straßen und Wege liegt bei 54.500 km und dazu kommt noch die Instandhaltung von tausenden Fährverbindungen. Das Durchschnittsalter der Brücken liegt bei 40 Jahren. Die Durchschnittslänge beträgt 25 m und die Gesamtlänge aller Brücken 460 km.  Für den Brückenbau inklusive der Anlagestellen der Fähren werden jährlich ca. 400 Mio. Euro ausgegeben. Die norwegische Straßenverwaltung hat vom Staatsbudget mehr Fördermittel erhalten, damit jährlich 140 bis 160 neue Brücken gebaut werden können.

 

Artikkelipalvelu Markku Laukkanen

Mehr Informationen: Otto Kleppe, otto.kleppe@vegvesen.no